Free Class Frankfurt am Main


Free Class Frankfurt/M.
May 4, 2008, 11:23 pm
Filed under: FreeClass Frankfurt/M.

NEWS

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28.03.2012: M31 vs. the German Model

The Art Workers Council Frankfurt/M (AWC) spoke with the anarcho-syndicalist trade union Freie Arbeiter und Arbeiterinnen-Union (FAU, Free Workers Union) Frankfurt/M about the crisis, the German Model conditions, organisation in the cultural sector, and about the mobilisation for the European day of action M31 on March 31, 2012.

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05.03.2012 – Das IVI bleibt! Die Free Class FaM unterstützt das Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI) und fordert den Verkauf des Gebäudes zu stoppen.

Als Organisation von Kunstproduzent_innen und Kritiker_innen in Frankfurt am Main arbeiten wir nicht nur mit etablierten Institutionen wie dem Frankfurter Kunstverein (2008) oder Städelschule Portikus e.V. (2010) zusammen sondern insbesondere auch mit dem selbstorganisierten Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI). Wir nutzen das IVI für unsere regelmäßigen Treffen, sowie Filmscreenings, Disskusionsveranstaltungen und Projektvorbereitungen. Das IVI ist unersetzbar verbunden mit dem Fortbestand unabhängiger Kunst- und Musikzusammenhänge in Frankfurt am Main. Der Verkauf des vom IVI genutzten Kramer-Gebäudes im Kettenhofweg 130 muss gestoppt werden.

http://ivi.copyriot.com

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Vom Ort der Barberei zum Ort der Kunst

Free Class FaM eingeladen von der initiative studierender am ig farben campus | ACHTUNG NEUES DATUM: 01.07.2010 09.06.2010 | 20:00 | Campus IG Farben der Goethe-Universität, Grüneburgplatz 1

Die Leitung des IG Farben Campus wird nicht müde die “zivilisierende Kraft der Ästhtik” zu beschwören. Mit skurril-kritischem Kunstverständnis sollen dabei die Geister der nationalsozialistischen Geschichte dieses Ortes befriedet und zugleich mahnend gegen studentische Proteste in Stellung gebracht werden. Anhand des Beispiels der pseudo-kritischen Selbstvergewisserung der Goethe-Universität lassen sich dabei sowohl veränderte Legitimationsstrategien herrschender Verhältnisse diskutieren, als auch Veränderungen von Produktionsbedingungen der Kunst selbst, besonders in jenem Feld das sich als kritisches Kunstfeld versteht.

In Nachbereitung dieser Veranstaltung entstand der Text “Den IG-Farben ein Antimonument. Wie Umgehen mit dem Poelzigbau?” der im November 2010 in der Broschüre der Campus-Antifa Frankfurt am Main veröffentlicht wurde.

 
 

Weitere infos zur Veranstaltungsreihe:

Studieren nach Auschwitz. Universität und Nationalsozialismus.

www.initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com

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Free Class FaM – Art Workers Council

Click here for English version

Aufruf der Free Class FaM[1] zur Demonstration für die Abschaffung der Lohnarbeit am 30.04.2010 in Frankfurt/M.

Kunst ist keine Lohnarbeit[2]. Künstlerische Freiheit verspricht ihren Produzent_innen selbst über Produktionsmittel, Produktionsweisen und –inhalte entscheiden zu dürfen. Diese formale Unabhängigkeit von den Standards der Mehrwertproduktion nährt nach wie vor das widersprüchliche Glücksversprechen der Kunst selbstbestimmte Produktion trotz Kapitalismus zu ermöglichen. Das vermeintliche Glück dieser künstlerischen Lohnarbeitsverweigerung ist der demütigende Kampf  um einen Platz unter jenen 5%, die zumindest Zeitweise von ihrer Kunstproduktion leben können. Wer noch nicht dazu gehört darf auf die nicht viel höhere Chance hoffen, sich im staatlich subventionierten Residency-Karussell alle paar Monate in ein neues Gentrifizierungsprojekt einzuquartieren. Dabei sind kostenlose Ateliernutzung und Taschengeld zwar inklusive, doch Kontinuitäten politischer Verbindlichkeit und solidarischer Organisierung finden hier kaum Platz.

Die bürgerliche Hoffnung künstlerische Autonomie könne Kapitalismus freier und humaner gestalten, oder zumindest vor der Barbarei bewahren, ist historisch widerlegt. Die ästhetische Unabhängigkeit der Kunst kann durchaus realistische Intervention in normalisierte Wahrnehmungsordnungen oder einfach kulinarischer Genuss sein, jedoch kaum Selbstzweck sozialer Emanzipation. Wer sich mittels Kunst ein freieres Leben jenseits der lohnarbeitszentrierten Wirklichkeit organisieren will, wird auch in Zukunft noch herber enttäuscht werden. Die aktuell verstärkt spürbare Krisenhaftigkeit kapitalistischer Ökonomie wird ihren Teil dazu beitragen. Denn künstlerische Flucht vor der Lohnarbeit ist keine kommunistische. Fischer_innen am Morgen, Webdesigner_innen am Mittag und Konzeptkünstler_innen am Abend zu sein bewahrt künstlerische Lohnarbeitsverweiger_innen nicht davor, als Pseudo-Kommunist_innen des Kapitals ein glamouröses Stereotyp flexibilisierter und endsoldarisierter Arbeitsverhältnisse zu idealisieren. Profitiert haben von diesem Trauerspiel nicht zuletzt so unsympathische Veranstaltungen wie die der “Kulturnation” Deutschland. Das Land der Dichter und Denker erklärte Kunst in den letzten Jahren zur ganz besonderen Standortinvestition. Im Bereich der Bildenden Kunst demonstrierte eine Flut von Deutschland-Ausstellungen [wie z.B. „Kunst und Kalter Krieg“ (DHM, 2009) oder „Vertrautes Terrain“ (ZKM, 2008)] dabei eindrücklich wie auch kritische oder gar antinationale Positionen, kuratorisch gewendet, in ganz persönliche, subjektive Bekenntnisse zum Standort Deutschland umgedeutet werden. Standort-Kunst erklärt so die schillernden Leidens- und Leistungsimperative der Kulturindustrie zur Ressource eines subjektivistischen Nationalismus, der vorgibt potentiell jede Differenz am gesellschaftlichen Reichtum teilhaben zu lassen. Mit diesem Bild überdeckt wird das unsichtbare Gegenteil: die existenzielle Ausgrenzung jener Unbrauchbaren, Überflüssigen und Unqualifizierten, die, anders als die meisten Künstler_innen, auf weniger glamourösem Niveau mit den Widersprüchen bürgerlicher Freiheit konfrontiert sind.

Gegen die Instrumentalisierung als Kunst-Helden, -Diven und -Dandys der Nation ließen sich diese alles andere als selbstbestimmten Produktionsbedingungen zum Anlass der eigenen Politisierung nehmen. Denn sich gegen die Zumutungen der Normalität solidarisch zu organisieren ist die realistischste aller Möglichkeiten dem Elend der Lohnarbeit endlich zu entkommen. Die Freiheit der Kunst, wie wir sie heute kennen, entstand aus einem auf halbem Weg gescheiterten Revolutionsversuch vor über 200 Jahren. Dabei wurde feudale Herrschaft durch bürgerliche ersetzt. Dessen Abschaffung bleibt Aufgabe einer sozialen Revolution, die sich nicht mit formalen Freiheitsversprechen begnügt, sondern im Kommunismus des 21. Jahrhunderts die solidarische Selbstbestimmung Aller sieht.

Endlich wird die Arbeit knapp! Kapitalismus abwracken! Gegen Lohnarbeit, Leistungsterror und Konkurrenz!

Sozialrevolutionäre Demo und Party
Fr. 30.04.2010 – 19.00 Uhr – Galluswarte – Frankfurt/M
Weitere Informationen unter
http://krise.blogsport.de/

Es rufen auf:

autonome antifa [f]
antifa [ko]
campusantifa
FAU-Gewerkschaft für alle Berufe Frankfurt/M
Jugendantifa
Krisengruppe Frankfurt/M
ÖkoLinX – Antirassistische Liste
Ökologische Linke Frankfurt/M

Supporters

Revolutionaeres Bündnis Autonomer AntifaschistInnen
Anarchistische Gruppe [:ag] Freiburg
Libertaeres Bündnis der Wetterau
antifa düren
Free Class FaM
Autonome Jugend Antifa Hagen
Antifa Bad Bergzabern
Anti Hartz Plattform Saar
Zwantifa (Zweibrücken)
Antifaschistische Linke Darmstadt (ALDA)
Antifa R4 Gießen
ASJ Bonn
FAU Darmstadt
Libertäre Sozialistische Gruppe Bergstraße (LSG)
Libertäre Sozialist_Innen Darmstadt (LSD)
Antifa Bensheim
RAW Windeck


[1] Die Free Class FaM ist Legastheniker-Club ohne Muttersprache, Kunstbetriebsrat, Gegen-Akademie und Kulturproduzent_innen-Organisierung. Sie wurde 2007 gegründet und beschäftigt sich seit dem mit der Kritik der Kunst, ähnlich wie die Freien Klassen in Berlin, Braunschweig, Wien und München.

[2] Lohnarbeit bezeichnet den Tausch der eigenen Arbeitskraft gegen ein Arbeitsentgelt (Lohn). Gefasst wird mit diesem Begriff somit auch das politisch-ökonomische Verhältnis zwischen Lohnarbeiter_innen und Unternehmer_innen, die im Besitz der Produktionsmittel sind und Arbeitskraft einkaufen müssen um Produkte herstellen zu können und sich auf dem Markt zu behaupten. Unternehmer_innen erwirtschaften dabei einen Mehrwert dessen Maximierung Selbstzweck kapitalistischer Ökonomie ist. Kunstproduzent_innen sind Unternehmer_innen ihrer Selbst. Künstlerische Produktion unterliegt den Imperativen des Marktes somit ohne direkte Abhängigkeit vom Lohnarbeitsverhältnis.

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Dienstag, 20. April 2010

21.00 Uhr // Taking Pleasures – Basement Bar

im »Faites votre jeu!«, Klapperfeldstraße 5, Frankfurt am Main

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Dienstag, 2. März 2010

21.00 Uhr // Taking Pleasures

Barabend im »Faites votre jeu!«, Klapperfeldstraße 5, Frankfurt am Main

Taking Pleasuers

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Montag, 12. Oktober 2009
20.00 Uhr // Zur Kritik der Kunst.
im »Faites votre jeu!«, Klapperfeldstraße 5, Frankfurt am Main

In dieser Veranstaltung soll das Spannungsverhältnis zwischen Kunst
und Politik diskutiert werden. Aus Anlass aktueller
Vereinnahmungsversuche des Jahres 2009 im Sinne einer neuen deutschen
Nationalkunst, stellt sich die Frage, inwiefern Kunst der politischen
Kritik bedarf. Ebenso ist zu fragen, unter welchen Bedingungen Kunst
selber einen Beitrag zur Kritik bzw. zur revolutionären Veränderung
der Gesellschaft leisten kann und was die einzelnen ProduzentInnen
dazu beitragen können – und wo sich Verbindungen zu einer Politik
auftun lassen, der es ums Ganze geht. Kerstin Stakemeier und Johannes
Paul Raether organisieren zusammen mit anderen das antinationale
ProduzentInnennetzwerk „Rosa Perutz“, die „Free Class FFM“
veranstaltet als Zusammenschluss von KunststudentInnen der HfG
Offenbach und der HfBK Staedelschule Seminare und Veranstaltungen zur
kritischen Kunstdiskussion und die antifa [f] macht in Frankfurt
Politik ums Ganze und interessiert sich neuerdings auch für Kunst.

Mit Kerstin Stakemeier & Johannes Paul Raether von Rosa Perutz
(Berlin), Free Class FFM (Frankfurt) und der antifa [f] (Moderation)

www.faitesvotrejeu.tk
www.rosaperutz.com
https://freeclassfrankfurt.wordpress.com

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Krieg Dem Deutschen Kunst – Positionen gegen eine Ausstellung!

Ab dem 3.Oktober ist im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung „Kunst und Kalter Krieg  – Deutsche Positionen 1945-89“ zu bewundern. In ihr hat Nationalkurator Eckhardt Gillen, der zuletzt mit der Ausstellung „Deutschlandbilder“ (1998, Berlin) nach dem suchte was wirklich deutsch ist, gemeinsam mit der gleichgesinnten Stephanie Barron (Lacma,LA) scheinbar sein Ziel erreicht: die Einhegung künstlerischer Arbeit aus Ost und West als Ausdruck des deutschen Geistes, dessen fortgesetzte Brüderlichkeit nur vom bösen, kalten Krieg überschattet wurde. Dass die beiden diesen Geist besonders in “kritische”, “politische” oder “realistische” Produktionen hineinimaginieren, macht die Austellung ersteinmal weniger angreifbar als das dummdreist nationalistische Bilderkonvolut von “60 Jahre, 60 Werke.” Um so interessanter aber ist sie für Rosa´s Einsatz: Denn nicht der immer schon nationale Dünkel der Hochkultur hat sich verändert, sondern die Art und Weise wir er artikuliert wird und welche künstlerische Produktion dafür in Dienst genommen wird!

Rosa Perutz aber hat kein Herz für irgendeine nationale Hochkultur, und wird sie daher am 3. und am 4.10.2009 in kleine Stücke zerpflücken. Zunächst werden wir den guten, alten Museumsbesuch vereinnahmen und während Deutschland seine Einheit feiert, dem Deutschen Historischen Museum einen Besuch abstatten.
Am nächsten Tag trifft sich Rosa mit ihren Freund_innen zu Kaffee und Kuchen um 16 Uhr im basso. Es werden Häppchen von Kunst und Kalter Krieg und anderen nationalen kulturellen Feiern gereicht und zum Duell gebeten.

Bislang treten an:

Alice Creischer vs. Deutschlandbilder
Christiane Ketteler vs. Gerhard Richter und Martin Kippenberger
Sophie Goltz vs. Laszlo Glozers Westkunst
Kerstin Stakemeier vs. Joseph Beuys
Zoran Terzic vs. Barron Intro & nationale Befindlichkeit mit Kunst
Roger Behrens vs. Jörg Immendorf
Freie Klasse FFM vs. “Das Erbe des kritischen Realismus in Ost und West”, Katalogbeitrag von Ursula Peters und Roland Prügel
Johannes Paul Raether vs. die Abwesenheit des Realisten Gerd Caden

Das Treffen ist ein erster Angriff auf die Ausstellung.  Wir wollen an diesen Nachmittagen Spott, Häme und Hass von allen Perutzkis und Ihren Freundinnen zusammentragen, um ihn im November zusammen über den offiziösen Selbstbeweihräucherungen zum “Ende der Geschichte” auszuschütten.

Kommt in Scharen!
am 3.10.2009 16Uhr, DHM, Unter den Linden
am 4.10.2009 16Uhr, basso, köpenickerstr 187/188

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Realismus Aktualisieren

Am 04.08. und 05.08. wird sich die Taking Measures Gruppe der Free Class FFM an diesem öffentlichen Workshop während der Interflugs Summer Academy beteiligen.

Teilnehmerzahl: unbegrenzt; Deutsch / Englisch

Es wird darum gehen, den zeitgenössischen Tendenzen der Ästhetisierung von Politik und den Romantisierungen von Politizität einen am Realismus orientierten Begriff von (Selbst)organisation entgegenzustellen. Die Arbeitsgruppe wird auf eine Publikation hinarbeiten, die unsere Position reflektiert und einem möglichst weiten Kreis zur Verfügung stellt. Einige Texte werden ebenfalls in der Dokumentation der Interflugs-Sommerakademie erscheinen.

2008 wurde mit der Freien Klasse der Städelschule Frankfurt a.M. bereits zu dem Thema gearbeitet:

http://takingmeasures.blogspot.com/

http://www.interflugs-academy.net

Workshop-Materialien:

http://takingmeasures.blogspot.com/2009/04/taking-measures-conceptual-notes.html

http://realismworkinggroup.wordpress.com/the-art-of-falling-apart/

http://realismworkinggroup.wordpress.com/interview-klaus-herding/

http://realismworkinggroup.files.wordpress.com/2009/07/kukk_realismus.pdf

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*La Commune (Paris, 1871)*

presented by /Rebond pour la Commune/ and the Free Class FFM.

*July 25th. 11.00 am*, at »Faites votre jeu!« (in the Altes Polizeigefängnis),
Klapperfeldgasse 5 (Near Konstablerwache).

In Peter Watkins film La Commune (Paris, 1871) more than 200 actors
interpret characters of the Commune on a stage-like set, with particular
focus on the Popincourt neighborhood in the XIth arrondissement. They
voice their own thoughts and feelings concerning the social and
political reforms. A journalist for Versailles Television broadcasts a
soothing and official view of events while a Commune television is set
up to provide the perspectives of the Paris rebels.

The film, a 5 hour 45 minute event will be presented by the group Rebond
pour la Commune. The cast later decided to form this association to
further a discussion on key elements in the film and its production
process. For this presentation of the film, the Rebond will be comprised
of the casting director Patrick Watkins and three of the films’
non-actor participants.

There will be intermittent breaks throughout the day with refreshments.

https://freeclassfrankfurt.wordpress.com
http://takingmeasures.blogspot.com
http://faitesvotrejeu.tk

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The Next Real Estate Show | 01.07.2009 | at »Faites votre jeu!«

A project by Free Class FFM members Timothy Furey, Erik Lavesson, Siw Umsonst and Jeronimo Voss, presented during the opening of the new residence of »Faites votre jeu!« on 1st of July 2009

Adresse: Klapperfeldgasse 5, Frankfurt am Main – near Konstablerwache

The Next Real Estate Show is a follow-up presentation of the Free Class project The Real Estate Show which took place at the old residence of »Faites votre jeu!« in the Varrentrappstr. 38, Frankfurt am Main, Bockenheim, January 2009. (http://therealestateshow.blogspot.com)

More information on the re-opening of »Faites votre jeu!« find at
www.faitesvotrejeu.tk

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Taking Measures – Realism Seminar

at Faites votre jeu (Klapperfeldgasse 5, FFM)

Start: 22.05.2009, 20:00, future dates find at http://takingmeasures.blogspot.com/

In our first meeting we discuss these texts: Eugene Lunn – Marxism and Art in the Era of Stalin and Hitler: A Comparison of Brecht and Lukács and the interview with Klaus Herding – Das Überzeitliche im Realismus

Intro:

Big art sponsors shorten their budgets or melt into air, such as the investment bank Lehman Brothers which also co-financed the Städel Museum in Frankfurt am Main. At the same time the “cultural nation” Germany will profit from art as a local investment, especially in times of economic crisis. The abundance of exhibitions adressing the topic of Germany within the last years[1] show how curatorial concepts can turn art, which even takes a decidedly critical stance against Germany, into a very personal and subjective commitment towards the national state. Max Klebb described these developments aptly as “the critical rebirth of nationalism as culture.”[2] In this way individualized imperatives of artistic production are turned into a subjectivist nationalism which boasts the claim to harbor and utilize limitless dimensions of differences.
The present form of an increasingly visible crisis development within capitalist economy demands a more realistic view on things. In place of the neoliberal euphoria of deregulated markets steps the similarly neoliberal conflict between globalization and national protectionism. But still there is a governmental consensus about taking the economic crisis as an occasion to finally moralize capitalism. The fact that this isn’t primarily meant to flatter NGOs and alter-globalization movements like Attac was made clear by german chancellor Angela Merkel in her new-years speech in 2009: “The crisis reveals the common spirit. Now this common spirit can help us in every situation. (…) We, the Germans, already mastered very different challenges, in the following year we will remeber them.”[3] Shortly after, crisis ridden workers in Great Britain were motivated by a similar sense of national community. They reminded their Labour government of its long made promises by means of a wildcat strike demanding “British Jobs for British Workers”. Here the other side of such “common spirit” of culturalized nationalism becomes clear. Namely the fact that its ideal of affirming differences is based on precarious conditions of bourgeois political economy. As long as the capitalist factory runs well every working worker is welcome at least until the next crisis argument provides the legitimation to reorganize the inventory of Human Resources on a national level.
This present situation illustrates the urgency for a critique of nationalism. So for us as artists the question arises how a cultural nationalism can be confronted in the field of visual arts. Therefore we attempt to discuss realist potentials in art beyond the mere idealization of neoliberal subjectivisms from self-entrepreneurship to “Du-bist-Deutschland” (You-are-Germany[4]). The cultural revitalization of a nationalist romanticism calls for the actualization of realism – a realist stance in art confronting these contemporary forms of national naturalization. But still, it seems that art has more in common with police than with politics. The romantic idea of the artist continues to serve as a tool for subjectivist normalisation. However, the producer of art is still a subject of the enlightenment and as such capable of solidarity and collectivity without the abandonment of identity. Realism as artistic solidarity in opposition to new cultural strategies of nationalism is what we want to address. This is not achieved in the mere reenactment of the historical framework of the debates on realism in visual arts since the beginning of the 19th century. Realism must continously be redeveloped concerning its specific relation to respective historical conditions of crisis.

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[1] such as “Made in Germany”, Hannover 2007 or “Vertrautes Terrain”, ZKM Karlsruhe 2008. And in 2009 celebrating the 60th aniversary of Germany: “Flagge zeigen?”, Haus der Geschichte Bonn as well as “SIXTY YEARS. SIXTY WORKS.”, Martin-Gropius-Bau Berlin. And on April 25, 2009 the contemporary art exhibition “2000 Years Varus Battle. COLOSSAL – Art Fact Fiction” (curated by former documenta boss Jan Hoet) celebrates the 2000th aniversary of the founding myth of german identity – the Varus battle in the Teuteburger forest in the Osnabrücker Land. Under the topic “Deutschland 2009” the Kulturstiftung des Bundes sponsors a range of projects in different art fields such as the theatre project „60 Years in Germany – Warming up to an Uncomfortable Identity“ or the exhibition “Art of Two Germanys / Cold War Cultures” in the Germanische Nationalmuseum in Nürnberg and in the DHM Berlin. Also in cinema the national birthday is celebrated with “Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation” in collaboration with some of the most well known german star-directors.

[2] Max Klebb in “Die Absage an die Nation Kollektivieren”, invitation call for a conference on art and (anti)natioanlism in Berlin, February 2009.

[3] Quoted after Ivo Bozic: “Wollt Ihr den Normalen Krieg?”, in Jungle World Nr. 2, January 2009 (http://jungle-world.com/artikel/2009/02/32405.html )

[4] Du bist Deutschland – “You are Germany” was a social marketing campaign in Germany. Its aim was to achieve positive thinking and a new national feeling.

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20.04.2009 | 20:00 | Free Class Meeting

at Faites votre jeu!

Varrentrappstr. 38, FfM

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13.01.2009 | 17:00 | Städelschule

Reading Capital

supported by David Harvey

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05. 01.2009

Realism Working Group:

Interview with Klaus Herding

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Press release 04.11.2009

Free Class FFMpresents: The Real Estate Show

in solidarity with Faites votre jeu!

Taslima Ahmed | Timothy Furey | Marty Kirchner | Jackie Tarquinio |

Dan Starling | Martin Stiehl | Jeronimo Voss

An exhibition organized by art students from HfBK Städelschule and HFG Offenbach in the center for art and culture of the initiative Faites votre jeu!

Varrentrappstr. 38, Frankfurt am Main/Germany

Opening 09.01.2009, 19:00

Exhibition dates: 10.01.2009 to 31.01.2009, Tuesdays 19:00 to 22:00, Wednesdays 19:00 to 22:00 as well as in coordination with the info-line 0160-95656439

In The Real Estate Show the artist group Free Class FFM presents works of students from art academies HFG Offenbach and HfBK Städelschule. The exhibition specifically relates to the precarious status of the exhibition space in Varrentrappstr. 38. The collaborative installation of artistic and non-artistic interventions in the space of the self-organized artistic and cultural center of the initiative Faites votre jeu! are positioned as a manifestation of artistic solidarity.

On the 2nd of August a former youth center in Varrentrappstr. 38 which was empty and unused for 7 years was revitalized as a self-organized artistic and cultural center by the initiative Faites votre jeu!. Since the reclamation of this building, Faites votre jeu!, as an association of artistic and political interest groups, organizes a practical reply to the social restrictions of urban space in Frankfurt am Main.

We, the artists of The Real Estate Show, declare our solidarity with these measures taken. For many years one can observe the systematic limitation and destruction of self-determined options and prospects in this city. This also concerns a great deal of artists who can’t afford basic preconditions of work in Frankfurt am Main, such as studios, workshops and other spaces of production. In this situation the initiative Faites votre Jeu! has managed to organize the preconditions for experimental art production by allocating studios and spaces for exhibitions and other events. This is why so many representatives of art institutions in Frankfurt am Main expressed their solidarity: e.g. Judith Hopf (Professor for Visual Arts at the HfBK Städelschule), Prof. Dr. Norbert Abels (Scenario Editor at the Opera in Frankfurt am Main), Max Weinberg (internationaly known artist, since 50 years working in Frankfurt am Main), Michael Krebber (Professor and officiating Principal of the HfBK Städelschule), Tobi Maier (Curator at the Frankfurter Kunstverein until October 2008), the studentrepresentatives of the HfBK Städelschule, the ASTA of the HFG Offenbach, as well as the many artists that already used and will use the spaces in Varrentrappstr. 38, … – All of them expressed their solidarity with the initiative. Faites votre jeu! creates an important signal for this city. The city administration should welcome this proactive initiative with respect and not with criminal complaints or threats to clear the building with police force.

The Real Estate Show will open on the 9th of Januar at 19:00 with regular opening times untill the 31st of January. The entrance is free of charge. The timing of the exhibition could be understood as a reaction to the call to clear the building already on the 15th of January expressed by the responsible representative of the city administration, Jutta Ebberling, head of the communal department for education. We don’t believe that the city government of Frankfurt am Main can afford the public consequences of such policed escallation of violence connected to the clearence of this building. Instead we sincerely invite Jutta Eberling to stop the proceeding criminalization of Faites votre jeu! and to take the opening of The Real Estate Show as an opportunity to get a picture of the enormous success of this initiative.

A project of the Free Class FFM

https://freeclassfrankfurt.wordpress.com

in solidartiy with Faites votre jeu!

www.faitesvotrejeu.tk

The Real Estate Show is financially supported by Städelschule Portikus e.V.

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03.12.2008 | 17:00 | Städelschule

Realism Working Group, Open Meeting

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01.12.2008 | 17:00 | Städelschule

Readings on Factography

find materials on the Blog of the Realism Working Group

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18.11.2008 | 17:00 | Städelschule

Reading Capital

supported by David Harvey

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05.11.2008 | 19:15 | Städelschule

Readings on Realism

find materials on the Blog of the Realism Working Group

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27.10.2008 | 17:00 | Städelschule, Mensa

Free Class Open Meeting

In this open meeting we will discuss new projects and seminars.

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06.08.2008:

Solidaritätserklärung der Freien Klasse Frankfurt/M mit der Kampagne „Faites votre jeu!“

Die Freie Klasse Frankfurt/M unterstützt ausdrücklich die Aktivitäten der Initiative „Faites votre jeu!“. Die Hausbesetzung in der Varrentrappstraße 38 ist das richtige Signal an eine immer ignoranter werdende städtische Jugend- und Kulturpolitik in Frankfurt/M. Wir fordern die sofortige Einstellung der vom Stadtschulamt gestellten Strafanzeigen gegen die Betreiber_innen der Initiative „Faites votre jeu!“.

Die Freie Klasse Frankfurt/M ist ein Zusammenschluss Frankfurter Künstler_innen und kooperiert derzeit vor allem mit der HfBK Städelschule und dem Frankfurter Kunstverein.

Kontakt:

https://freeclassfrankfurt.wordpress.com

freeclassfrankfurt@googlemail.com

Link:

www.faitesvotrejeu.tk

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Friday 11.7.2008 | 11:00 | Why it’s Time for Realism, Again | Workshop with Maria Muhle | at HfBK Städelschule, Frankfurt am Main, Dürerstr. 10.

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Monday 7.7.2008 | 11:00 | Realist Measures | Workshop with Johannes Raether and Kerstin Stakemeier | at HfBK Städelschule, Frankfurt am Main, Dürerstr. 10.

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Sunday 6.7.2008 | 16:30 | Realism | Conversation with Johannes Raether, Kerstin Stakemeier and Hito Steyerl at Frankfurter Kunstverein (www.fkv.de) | in collaboration with HfBK Städelschule.

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01.07.2008 | 17:00 | Städelschule

Realism Working Group, Open Meeting

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Film Screenings:

Symbiopsychotaxiplasm, William Greaves, 1968

23.06.2008, 19:00 at Frankfurter Kunstverein

Tout va bien, Dziga Vertov Group (Jean-Luc Godard, Jean-Pierre Gorin), 1972

01.07.2008, 19:00 at Frankfurter Kunstverein

Always love your man (Ama l’Uomo Tuo), Cara DeVito, 1975 + Letter to Jane, Dziga Vertov Group (Jean-Luc Godard, Jean-Pierre Gorin), 1972

04.07.2008, 19:00 at Frankfurter Kunstverein

Blue, Dereck Jarman, 1991

29.07.2008, 19:00 at Frankfurter Kunstverein

Southland Tales, Richard Kelley, 2006

30.07.2008, 19:00 at Frankfurter Kunstverein

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05.06.2008:

Opening at Frankfurter Kunstverein on the 6th of June 2008, 19:00 / Eröffnung im Frankfurter Kunstverein am 06.06.2008 um 19:00

Trompe-l’œil Polizei

June 7 – September 7, 2008

Opening: June 6, 2008, 19:00

For the 10 reasons to be a member space of the Frankfurter Kunstverein, the Realism Working Group of the Free Class Frankfurt/M has produced a body of works dedicated to the relationship between art and reality production. Departing from the assumption that our present reality is not based on the forces of nature, but instead on the forces of a diffuse police order of constructed ‘practical constraints’ the group searches for artistic methods that highlight the changeability of the present.

Besides the design of an exhibition the group also produced a bi-lingual (english/german) newspaper dedicated to the actuality of the term “Realism”, while at the same time discussing the significance of collaborative strategies. Furthermore, the project includes a film and discussion programme.

The members of the Realism Working Group are: Rebecca Ann Tess, Michael Eddy, Jonas Jensen, Martin Kirchner, Flo Maak, Siw Umsonst, Jeronimo Voss.

Further information can be found under: https://freeclassfrankfurt.wordpress.com as well as www.fkv.de

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german version:

Trompe-l’œil Polizei

7. Juni – 7. September, 2008

Eröffnung: 6. Juni, 2008, 19:00

Die Realism Working Group der Free Class Frankfurt/M. widmet sich in ihrem Beitrag für den 10 Reasons Raum des Frankfurter Kunstvereins dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeitsproduktion. Aktuelle gesellschaftliche Realitäten basieren nicht auf Naturgewallten, sondern auf einer diffusen polizeilichen Ordnung konstruierter ‘Sachzwänge’. Ausgehend von dieser Prämisse sucht die Gruppe nach künstlerisch-kollaborativen Methoden die die Veränderlichkeit dieser Gegenwart in den Vordergrund stellen.

Neben der Gestaltung einer Ausstellung produziert die Gruppe eine zweisprachige (de/en) Zeitung die sich der Aktualität des Begriffs „Realismus“ widmet und dabei zugleich die Bedeutung kollaborativer Strategien diskutiert. Begleitend gibt es ein Film- und Diskussionsprogramm.

Mitglieder der Realism Working Group sind: Rebecca Ann Tess, Michael Eddy, Jonas Jensen, Martin Kirchner, Flo Maak, Siw Umsonst, Jeronimo Voss.

Weitere Informationen unter: https://freeclassfrankfurt.wordpress.com und www.fkv.de

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Screenings of the Brakhage Lectures on the roof of Daimlerstrasse 31
More Info on:
http://brakhagelectures.blogspot.com/
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#Deutschsprachige Ankündigung siehe unten#

:: Art and Communism ::

A studnet organized discussion event on terms and prospects of artistic practice based on investigations on the past and presence of art and communism.

Panel discussion: 18th of June 2007, 19:00.

HfBK Städelschule, Dürerstr. 10, Frankfurt am Main.

with ‘Chto delat?’, Katja Diefenbach and Kerstin Stakemeier. Moderated by Jeronimo Voss

#Presentations and discussions will be held in english language.#

Art and Communism

Ever since bourgeois hegemony the conditions of production within the institution of Art claim a special position. Artists own their means of production – they decide on its methods as well as on its contents. Thus, artists are free from the standards of the creation of wage labour based surplus value. Thereby, artistic production always appears also as a refusal of wage labour. This possible connection to a communist criticism of capitalist labour conditions seems very contradictory though, today more than ever.

So what are the present conditions of the politicisation of art? To date, individual freedom and autonomy still decisively structure the ethics of  artistic production. These ethics refer not only to central ideals of bourgeois enlightenment but also to an emancipatory movement of the 1960s and 1970s and its means of escape from fordist economy. In the context of those social uprisings desires for independence and self-determination nurtured the attractivity of the rejection of fordist wage labour. In the course of postfordist developments these demands seemingly turned into legitimating rhetorics for flexible and unsolidary conditions of work. Under present conditions one could state that characteristics of bourgeois art appear as a stereotype for the wage labour economy in general, without giving prospects for the emancipation from capitalism. Instead, the dictation of “self-managment” forces producers to gain more individual responsibility over production in order to dedicate to it more intensively, creatively and flexibly, coping with its risks and inconveniences by oneself.

Beyond a capitulation that assigns contemporary art nothing but structural affirmation of bourgeois society, we want to discuss indicated contradictions as a strategic potential for politicisation. This examination on terms and prospects of artistic practice will be based on investigations on the past and presence of art and communism.

Lecturers and their topics:

Kerstin Stakemeier:

“Revolution out of Art – Productivism and Polytechnics”

Kerstin Stakemeier publishes in journals, catalogues and daily Press on relations between art and politics. Together with Nina Köller she currently curates the exhibition-project “Space of Actualisation Hamburg”. She teaches at Bauhaus University in Weimar.

In her contribution to the discussion event on Art and Communism she will focus on productivist art, in order to investigate on the figure of the polytechnical producer in the context of the russian revolution of the 1920s as well as in the presence.

Katja Diefenbach:

“Politics of Bohemia – On the Difference between Distinguished Subjectivity and Whatever Singularity”

Katja Diefenbach is an author, teacher and cofounder of the bookstore-collective B_Books Berlin. She publishes on topics of poststructuralism and movementpolitics. Currently she teaches at the Jan van Eyck Academy in Maastricht.

In her lecture she will give a short historical genealogy to depict the conceptions of a politics of bohemia and creative activity in order to formulate a critique of both, the unification of art and life and the idea of a sensual fulfillment of the human being by aesthetic activity. Point of departure is the reemergence of the notion of bohemia in the 1990s political art scene in Germany.

Dmitry Vilensky (‘Chto delat?’):

“Temporary Art Soviet”

Founded in early 2003 in Petersburg, the platform Chto delat?/What is to be done? is a space between theory, art, and political activism. The platform’s work is coordinated by a workgroup of the same name: its members include artists, critics, philosophers, and writers from Petersburg, Moscow, and Nizhny Novgorod. ‘Chto delat?’ hopes to spark a dialogue of different positions about the politicization of knowledge production and about the place of art and poetics in this process,  triggering collaborative initiatives in the form of “temporary art soviets” which are involved in the making of different cultural projects.

Workshop on 19th of June 2007, 11:00 to 15:00, Städelschule

:: Self-Organisation ::

with Zanny Begg (www.zannybegg.com), Dmitry Vilensky and Kerstin Stakemeier.

In this workshop we will deepen the discussion of the evening before and debate on forms of self-organisation with reference to productivism and avantgarde-practice in general.

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:: Kunst und Kommunismus ::

Studentisch organisierte Diskussionsveranstaltung über Bedingungen und Möglichkeiten zeitgenössischer Kunstproduktion in Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart von Kunst und Kommunismus.

Podiumsdiskussion: 18.06.2007, 19 Uhr.

HfBK Städelschule, Dürerstr. 10, Frankfurt am Main.

mit ‘Chto delat?’, Katja Diefenbach und Kerstin Stakemeier. Moderiert von Jeronimo Voss.

#Präsentiert und Diskutiert wird in englischer Sprache#

Kunst und Kommunismus

Innerhalb bürgerlicher Hegemonie haben die Produktionsbedingungen der Institution Kunst seit je her eine Sonderstellung inne. Künstler_innnen sind in Besitz ihrer Produktionsmittel, entscheiden über Produktionsweisen und -inhalte und sind somit unabhängig von den Standards der Mehrwertproduktion der Lohnarbeit. Kunst ist also immer auch Lohnarbeitsverweigerung. Diese Verbindungsmöglichkeit zur kommunistischen Kritik an kapitalistischen Arbeitsverhältnissen erscheint allerdings widersprüchlich, heute mehr denn je. Wie steht es also gegenwärtigen um die Möglichkeiten einer Politisierung der Kunst? Individuelle Freiheit und Autonomie strukturieren bis heute maßgeblich den künstlerischen Produktionsethos. Dieser verweist nicht nur auf zentrale Ideale bürgerlicher Aufklärung, sondern auch auf die Fluchtperspektive einer Emanzipationsbewegung am Ende des Fordismus. Im Kontext jener sozialen Umbrüche der 1960er und 1970er Jahre nährten Bedürfnisse nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung die Attraktivität der Verweigerung fordistischer Lohnarbeit. Forderungen die im Zuge der Entwicklung des Postfordismus scheinbar zur legitimierenden Rhetorik flexibilisierter und endsolidarisierter Arbeitsverhältnisse wurden. Unter heutigen Bedingungen erscheint also das was systematisch bürgerliche Kunstproduktion ausmacht als Stereotyp der Gesamtproduktion, also auch der Lohnarbeit, ohne eine Emanzipation vom Kapitalismus in Aussicht zu stellen. Stattdessen sollen Produzent_innen unter dem Diktat des Selbst-Managements mehr Verantwortung für die Produktion tragen, um sich dieser letztlich noch intensiver, kreativer und flexibler zu widmen und deren Unwägbarkeiten und Risiken eigenständig zu schultern.

Jenseits der Kapitulation, Gegenwartskunst nichts weiter zuzusprechen als strukturelle Affirmation bürgerlicher Verhältnisse, sollen die angedeuteten Widersprüche als strategisches Potential der Politisierung diskutiert werden. Grundlagen dieser Auseinandersetzung um die Bedingungen und Möglichkeiten zeitgenössischer Kunstproduktion liefern dabei Blicke in die Gegenwart und Geschichte des Kommunismus sowie der Kunst.

Referent_innen und ihre Beitragsthemen:

Kerstin Stakemeier:

“Revolution aus der Kunst: Produktivismus und Polytechnik”

Kerstin Stakemeier veröffentlicht in Fachzeitschriften, Katalogen und Tagespresse zum Verhältnis von Kunst und Politik. Derzeit kuratiert sie zusammen mit Nina Köller das Ausstellungsprojekt “Aktualisierungsraum Hamburg”. Sie lehrt an der Bauhausuniversität in Weimar. Ihr Beitrag zur Diskussion um Kunst und Kommunismus wird sich dem Produktivismus widmen um die Figur des polytechnischen Produzenten im revolutionären Russland der 1920er Jahre und heute zu untersuchen.

Katja Diefenbach:

“Politics of Bohemia – On the Difference between Distinguished Subjectivity and Whatever Singularity”

Katja Diefenbach ist Autorin, Dozentin und Mitbegründerin des Buchladenkollektivs B_Books Berlin. Sie veröffentlicht zu Poststrukturalismus und Bewegungspolitik. Zurzeit lehrt sie an der Jan van Eyck Akademie in Maastricht. Ihr Vortrag wird einen kurzen historischen Abriss verschiedener Positionen zur Politik der Boheme und der kreativen Tätigkeit vorstellen, um vor allem eine Kritik der Ineinssetzung von Kunst und Leben und der sinnlichen Verwirklichung des Menschen in der ästhetischen Tätigkeit zu formulieren. Ausgangspunkt ist das Wiederauftauchen des Boheme-Begriffs in der politischen Kunstszene der 1990er Jahre in Deutschland.

Dmitry Vilensky (‘Chto delat?’):

“Temporäre Kunst-Sovjets”

Die 2003 in Petersburg gegründete Plattform Chto delat? / What is to be done? begreift sich als Ort zwischen Theorie, Kunst und politischem Aktivismus, der in seinen Arbeiten und Aktivitäten koordiniert wird von einer Arbeitsgruppe des gleichen Namens, zu der Künstler, Kritiker, Philosophen und Schriftsteller aus Petersburg, Moskau und Nizhny Novgorod zählen.

Chto delat? möchte den Dialog und die Diskussion zwischen unterschiedlichen Positionen über die Politisierung der Wissensproduktion und über die Positionierung von Kunst und Poetik in diesem Prozess anfachen und vertiefen. Miteinander kooperierende Initiativen, “temporäre Kunst-Sovjets”, sollen angestoßen werden, die von Anfang an in die Entstehung verschiedener kultureller Projekte eingebunden werden.

Workshop am 19.6., 11 bis 15 Uhr, Städelschule:

:: Selbstorganisation ::

mit Zanny Begg (www.zannybegg.com), Dmitry Vilensky und Kerstin Stakemeier.

In diesem Workshop werden wir die Diskussion vom Vorabend vertiefen und über Formen der Selbstorganisation debattieren, speziell mit Blick auf den Produktivismus und avantgardistische Praxis im Allgemeinen.

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